dass ich am gestrigen Abend in einem Stundenhotel abgestiegen
bin.
Als ich Melipilla erreicht hatte, zeigte mir das Navi auf der Suche nach einer Übernachtung das Hotel Monsa an. Eine Dame öffnete und da der Preis akzeptabel war - nur zehn Euro höher als der Campingplatz letzte Nacht - checkte ich ein. Als sie mir irgendetwas von "doce hora"erzählte, dachte ich, ich müsse erst morgen gegen zwölf das Hotel wieder verlassen.
Stutzig wurde ich erst, als ich das Establishment betrat und das Licht anmachte.
Von wegen Aprilscherz liebe Schwägerin
Rötliche Schummerbeleuchtung, rote Vorhänge, und an der Außenwand eine Durchreiche für Essen und Getränke. Beim Schließen der Tür sah ich dann auch die Preisliste.

Was ist, meine Herren ?
Hier muss man einfach einchecken !
Einmal Gummi für einen Euro und ne' Flasche Champagner
für lächerliche sieben Euro - da muss man doch zuschlagen !
So weit so gut. Etwas später kam ein älterer Herr - der Besitzer
dieser Nobelherberge - zu mir und fragte mich im gebrochenen Englisch, ob ich mir dessen bewusst sei, dass ich nach zwölf
Stunden die Räumlichkeiten wieder verlassen müsse. Das sei genau um vier Uhr in der Frühe.
Jede Verlängerungsstunde koste 4 Euro.
Ich überlegte kurz und sagte ihm, dass ich um vier Uhr weg sei.
Ungläubig zog er wieder von dannen.
Pünktlich um vier bat ich ihn über die Sprechanlage, das schwere Schiebetor zu öffnen, damit ich mit dem Rad hinaus auf die Straße kann.
Als er mich am Ausgang sah, meinte er, es sei um diese Zeit in der Stadt zu gefährlich. Ich könne ohne Aufpreis bis sieben im Zimmer bleiben.
Wir unterhielten uns ganz nett und um sieben Uhr entließ er mich hinaus in die Dunkelheit.
Alles in allem eine ganz amüsante Erfahrung zum Abschluss
meiner Tour.
Wo habe ich nicht überall übernachtet ?
Ohne Zelt in einer Höhe von 4.200 Metern, auf der Kuhweide, im öffentlichen Park, im trockenen Bachbett und jetzt auch noch im Rotlichtviertel. So etwas erlebt man nicht während einem Pauschalurlaub, sondern nur dann, wenn man morgens aufsteht und nicht weiß, wo man am nächsten Abend übernachten wird.
Das ist das, was eine solche Radtour durch fremde Länder so spannend macht. Du bist ganz dicht dran an den Menschen.